Saisonstart Hamburg

Hamburger Sommerferien vorbei, Schulkinder mit Ranzen, Turnbeuteln und Fahrrädern auf den Gehwegen, viel Betrieb und Hallo vor den Bühneneingängen der Theater und den Glasfassaden der Galerien. Ich habe durch vier Wochen Lissabon nicht nur den augenscheinlich verdrießlichen Augustregen verpasst, auch allerlei Dockville-, Kampnagel- und Gängeviertel-Festivalbetrieb ist völlig an mir vorbeigegangen. Am ersten Septemberwochenende also erstmal wieder Jacke überstreifen und reinkommen. Was findet sich Interessantes zwischen den vielen Mails und Facebookveranstaltungseinladungen:

BALTIC RAW ORG war mit der Tower-Installation nicht nur offizieller Hamburg-Auftritt bei der EXPO in Shanghai – Dachlatten und Holzverschalungen werden nun auch im Herzen des Steindammviertels gespaxt. Berndt Jasper, Christoph Jaenisch und Moka Farkas sprechen davon, mit ihrem “Open Museum | Broken Home” ein “Grundstück aus städtischem Besitz vorrübergehend den Gesetzmässigkeiten investorischer Logik zu entziehen”. Eröffnung ist am Freitag Abend 03.09.2010, mit Arbeiten von Cordula Ditz, Greta Brix, Jörn Stahlschmidt und Miguel Martinez. Heimlicher Star ist ein frisch aus Süddeutschland ersteigerter siebziger Jahre Getränkeautomat, der zwar eine gehörige Investitution darstellt, aber stilsicherer und auf Dauer günstiger arbeitet als so mancher Barkeeper.

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Lisboa Arte Contemporânea

Ich war langfristig vorbereitet und gut eingestimmt auf unseren Sommer in Lissabon. Anfang März, als das Apartment an der Praça Rossio gebucht war, traf ich Fernando Brito bei der Wiedereröffnung eines sagenhaft guten koreanischen Restaurants in Eimsbüttel. Wir waren die einzigen Nichtkoreaner am Tisch. Man hatte uns, weil wir Stammgäste waren, regelrecht zu einer Familienfeier eingeladen. Fernando Brito kenne ich aus gemeinsamen Zeiten bei der Galerie White Trash Contemporary, die ihn vertritt. Dass er nicht nur ein feinsinniger Künstler, sondern vor allem Portugiese ist, war mir nie so recht in den Sinn gekommen. Nun aber, da Apartment und Flüge gebucht waren, redeten wir bei Kim Chi und asiatischem Bier nicht über Hamburger Kunst, sondern über die Galerieszene von Lissabon. Am Tag darauf schickte er mir eine beträchtliche Linkliste, versehen mit Anmerkungen, ich solle diesen und jenen herzlich von ihm grüßen.

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CHICKS ON SPEED- DON`T ART, FASHION, MUSIC

Dundee Contemporary Arts, Dundee, Schottland

Juraak, Ben David

Am 4. Juni eröffnete die erste institutionelle Ausstellung von Chicks on Speed in Großbritanen.In Dundee Contemporary Arts löste das internationale Kollektiv, dessen Besetzung sich ständig ändert, wieder alle Genregrenzen der Kategorien Kunst, Mode, Musik, Kunsthandwerk, Tradition und Pop auf. Alle Disziplinen wurden wörtlich zu einer Ausstellung verwoben, welche sich auch ästhetisch in einer Bandbreite von DIY Ästhetik bis hin zum Luxusartikeleinzelanfertigung nur schwer einordnen lässt. Einzelausstellung? Gruppenausstellung? In den Tagen vor der Eröffnung arbeiteten mehr als 10 Mitglieder und Kollaborateure des Kollektivs am Entstehen der Ausstellung und der begleitenden Performance. Lang erwartet die weltweit ersten Higheel Shoe Guitars, in Kollaboration mit Max Kibardin in Mailand und Hangar.org in Barcelona. 6 Paar Stilettoś, aufwendig lackiert mit Auto- Effektlacken, in deren High Heel sich eine komplette Tonabnahmetechnik für die an den Schuhen gespannten Saiten verbirgt. Durch das Berühren der Saiten werden verschiedene Töne und Soundeffekte getriggert, welche sich während der Performance in den aus vielen Quellen gespeisten Soundteppich einfügten. Diese technisch  und handwerklich beeindruckenden Objekte sind über ihre performance- tauglichen Qualitäten hinaus  als  ironisch- feministischer Kommentar zu den gängigen Klischees des Rock- Gitarristen und Gitarrensolos zu verstehen. read more »



“Du kannst die Polizei belügen, aber nicht mich” Gefangenes Zimmer 2 – Ausstellung von Stefan Panhans & Andrea Winkler

Die Bezeichnung »gefangenes Zimmer« steht auf dem Hamburger Wohnungsmarkt für einen Raum, der nur durch andere Räume betreten werden kann. Das entspricht der Erfahrbarkeit der Ausstellungsarchitektur des Kunstverein Harburger Bahnhof, die für alle Projekte der Reihe gesetzt ist: Ein 24 qm großer, vier Meter hoher Raum, implantiert in den prunkvollen und Patina gesättigten ehemaligen Wartesaal 1. Klasse, der den Kunstverein seit 2000 beherbergt. Jeweils zwei Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen, die neue räumliche Situation für ihre Arbeit zu nutzen und unter Spannung zu setzen.

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HIGH IDEALS & CRAZY DREAMS

Ein Interview mit Gerwald Rockenschaub, anlässlich der von ihm zusammen- gestellten Ausstellung HIGH IDEALS & CRAZY DREAMS die vom 20. Mai bis 30. September 2010 in der Galerie Vera Munro in Hamburg zu sehen ist.

Michael Conrads: Du hast diese Ausstellung  “High Ideals and Crazy Dreams” genannt, ein Zitat aus dem gleichnamigen Song von Mark Stewart. Kannst Du uns kurz erläutern, wie es zu diesem Titel gekommen ist?

Gerwald Rockenschaub: Bei Betitelungen kommt es oft vor, dass man sehr lange suchen muss bis man auf einmal, relativ unerwartet, etwas findet was passt. Es gab über die Zeit der Planung viele Arbeitstitel, wie z.B. “Heroes”. Allerdings sind wir von diesem Vorschlag relativ schnell wieder abgekommen. Am Ende muss alles schlicht passen – wenn man Künstlerliste und Titel zusammen sieht muss alles zusammen eine stimmige und griffige Sache ergeben.

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