Die Präsentation einer Sammlung ist immer eine Visitenkarte

Im September startete eine Ausstellung des britischen Street-Art Künstlers Boxi die ‘Reinkingprojekte’. Der Hamburger Sammler und Kurator Rik Reinking plant eine lang angelegte Ausstellungsreihe in neuen Räumlichkeiten. Ein Gespräch mit den Jungen Freunden der Kunsthalle.

Rik Reinking zu treffen ist ganz leicht. Und man würde eine Reportage nicht mit so einem schlappen Satz beginnen, wenn nicht in allen anderen Reportagen stünde, Rik Reinking zu treffen sei ausgesprochen kompliziert.



Wir treffen uns nicht auf einer Auktion in Shanghai oder in den Staaten oder bei Tilt’s Fetish Bubble Girls in Toulouse. Rik ist diesen Herbst viel in Hamburg, die Ausstellungsräume in der Sillemstrasse sind fertig, sein Hund kommt zur Ruhe, er selber wohl auch ein wenig. Er habe gelernt, Türen auch zu schließen, nicht immer neue aufstoßen zu müssen. Im Hof geht ein dünner Regen runter, Riks Vermieter steht irgendwann im Verlauf unseres Gesprächs unvermittelt am Tor, im Blaumann, und lässt eine kleinformatige Boxi-Arbeit für seine Tochter reservieren. Ich frage nicht nach, ob hier in Naturalien gehandelt wird. Rik und ich haben beide die Tendenz, in unseren Sesseln immer tiefer zu rutschen, so dass bald von ’sitzen’ keine Rede mehr sein kann, eher von ‘lümmeln’. Und dass wir an einem leicht verregneten Eimsbütteler Herbstabend in seinen Sesseln herumlümmeln kam so…

Am ersten Septemberwochenende eröffnet nach der Sommerpause der Hamburger Galeriebetrieb seine weiss getünchten Lofts. In der Admiralitätsstraße ist kaum ein Durchkommen. Man sieht sich. Und wird gesehen. Gute Kunst sieht man nicht so viel, nur welche, die sich gut verkaufen lässt. Wer als Galerist nicht in der Admiralitätsstraße ansässig ist und die Karawane nicht an sich vorbeiziehen lassen möchte, muss sich etwas überlegen: junge HFBK-Studentinnen drücken einem Flyer in die Hand. Die mit dem Boxi-Flyer sagt dazu: ‘Herr Reinking eröffnet später am Abend seine neuen Ausstellungsräume’.

Die Adresse ist für kreativwirtschaftliche Belange eine no-go-area: reinstes Eimsbütteler Wohngebiet. Keine Kunst. Keine Agenturen. Souterrain-Läden nur für Babyausstattung. Kinderwagen auf den laubigen Gehwegen. Reinking hat seine Galerie in zwei Hallen eines ehemaligen Handwerkbetriebs eingerichtet. Am schmalen Durchgang zum Hinterhof weist ein Boxi-Plakat den Weg.



Die Ausstellung erwies sich als Offenbarung für den überreizten Admiralitätsstraßen-Besucher. Boxi’s in Graustufen gehaltene Stencil-Figuren blicken kühl und eindringlich von den Wänden – lebensgroß, unnahbar, erratisch. Es wird einem unangenehm zumute, wenn man die Szenen zu deuten versucht. Vollkörper-Schutzanzüge selbst für kleine Hunde, die an der Seite von Chemie-Arbeitern vor einem trüben, verseuchten Hintergrund stehen. Dass der seit einigen Jahren in Berlin lebende Künstler trotz düsterer Themenwahl und schüchterner Ausstrahlung ein Faible für Ironie und kritische Anspielungen hat, wird in seinen Wandarbeiten klar: Arbeiter der Stadtreinigung weissen die ebenso realistisch gesprühte Figur des urban cowboy. Wandfläche des Ausstellungsraumes, Figuren und Wandfarbe im Kunstwerk schichten Boxi’s Themenwelten zu einem verwirrenden Vexierspiel. Man kann sich einen Sport daraus machen, die Ebenen zu zählen und zu gliedern. Diesen Sport betreiben Rik Reinking und der Autor einige Tage nach der Eröffnung, in zwei der locker gruppierten Sessel gelümmelt.

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Links zur Reportage

ART MAGAZIN Interview von Alain Bieber
SPIEGEL Reportage von Jenny Hoch
ABENDBLATT Artikel von Vera Altrock
DEUTSCHLANDRADIO Reportage von Hartwig Tegeler
NDR KULTURJOURNAL zum Skulpturenprojekt City Nord
FLICKR Fotostrecke zur Ausstellung Call It What You Like!
REINKINGPROJEKTE Website
SAMMLUNG REINKING Website




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