Die verborgene Spur – Jüdische Wege durch die Moderne
Text: Julia Eckhardt
Metropolen, Szeneviertel, Intersections… der Thesaurus der Gegenwartskunst formt mit seinem Wortschatz das Bild von Grenzgang, städtischer Raumerschließung und Themenfelderweiterung. Unsere Städte werden „beseelt“, individualisiert, vernetzt durch ein künstlerisches Netzwerk, dessen Aktivität allerdings in weitaus geringerem Maße im Untergrund verläuft als es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war.
Nach einem erfolgreichen Sommer der Kultur im öffentlichen Raum und dem einen oder anderen Blockbuster gleich um die Ecke, eröffnet nun am 7. Dezember eine Ausstellung, welche die Art des Untergründigen in besonderem Maße thematisiert. Die verborgene Spur untersucht künstlerisches Schaffen vor dem Hintergrund der kulturellen Diaspora. Jene Erfahrung, die neben der afrikanischen besonders die jüdische Kultur charakterisiert, zeigt sich in künstlerischen Positionen von der Moderne bis zur Gegenwart in tiefer und vielseitiger Reflexion. Das Streben nach Identifikation und Akkulturation der Juden in den Schtetln der Metropolen des anbrechenden 20. Jahrhunderts steht der anschließenden existenziellen Bedrohung gegenüber. Portraits der städtischen Gesellschaft von Jankel Adler oder Karl-Schmidt-Rottluff begegnen apokalyptischen Ansichten von Jakob Steinhardt und Felix Nussbaum sowie dem diasporistischen Gedankengut Ossip Zadkines und Marc Chagalls. Metropolen… Im Zuge des Exodus aus dem nationalsozialistischen Deutschland keimen neue Brennpunkte künstlerischer Aktivität in Städten wie London, Paris und New York auf. Während in der School of London Gruppierungen um Lucian Freud, Auerbach und R. B. Kitaj entstehen, entwickeln in New York Morris Louis und Mark Rothko neue Aussageformen. Re-Discovery ist einer der Untertitel des Ausstellungskonzepts, positiv konnotiert im Gegensatz zu weiteren Aspekten, welche in der vertretenen Gegenwartskunst die Rückkehr in den neuen Staat Israel und folglich die heutige Situation im Nahen Osten ins Blickfeld rücken. Wer kennt nicht das Graffiti des kleinen Mädchens, welches mit einem Strauß aus Luftballons an der West Bank Wall empor fliegt? Künstler: Banksy.
Die fortdauernde Begrenzung, Hinterfragung der eigenen Identität und die örtliche Zerstreuung in den Werken der vertretenen Künstler erfahren nun eine besonders frappierende Betonung durch die Ausstellungsräume. Das von Daniel Libeskind entworfene Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück, welches der Architekt eigens basierend auf der Lebensgeschichte des in Auschwitz ermordeten Malers konzipiert hat, lässt die Bilder und Installationen in Raumfluchten und endlosen Gängen aufleben. Im ersten Raum, welchen der Besucher betritt, hängt ein majestätischer Olivenbaum, installiert von Dani Karavan von der Decke. Zitat Chagall: „Ich bin ein entwurzelter Baum.“
Die Ausstellung läuft vom 7. Dezember 2008 bis zum 19. April 2009 im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück und wird anlässlich des 10. Jubiläums des Libeskind-Baus präsentiert.







