Tenten Cuttings

Investitionskräftige Global Player sind die bevorzugten Kunden für Grossflächenplakate. Wir wissen nicht, wie man als Street Art Künstler an die exponierten Flächen gelangt, 1010 jedenfalls scheint irgendwie zu den Entscheidern bei Ströer, Wall und Co durchgedrungen zu sein. Als wir den Kontakt zu ihm bekamen und fragten, was es mit den bildschönen Cuttings im Hamburger Stadtraum auf sich hat, schickte er uns ganz ohne klandestines Gebaren diese Bildstrecke und Erklärung…

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“Ein kurzer Blick im Vorübergehen, Passanten bleiben stehen andere machen sofort ein Foto. Durchstreift man Hamburg ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß unvermittelt wie auch unvorbereitet den Cut Outs von tenten/1010 zu begegnen. Oft sind es exponierte Werbeflächen, Baustellenzäune oder symbolträchtige Rundbögen, welche einen sakralen Rahmen für die lebendig gewordenen Formen bilden, deren Geometrie bereits auf zwingende und ewige Gesetzmäßigkeiten zu verweisen scheint.

Der Ikonenmalerei verwandt wohnen wir konkreten Szenen von Unterdrückung, Bedrohung, Verlangen, Ausbeutung oder Flucht bei ohne dass es erläuternder Worte braucht. Zwar ist der Bezug zu religiösen Motiven und Themen deutlich, nur treffen wir keine fremden übernatürlichen Mächte in irdischer Gestalt an. Die Symbole selbst sind zum Leben erwacht und tyrannisieren ihre eigenen Schöpfer. Die Kritik geht also über die Gesellschaft betreffenden Zuständen hinaus, vielmehr verweist Sie auf Grundmuster, die seit Entstehung des menschlichen Bewusstseins präsent und bestimmend für den Gang der irdischen Geschicke sind. Wir haben es also mit vielmehr als Streetart zu tun, die sich das modische Kleid der Gesellschafts- oder Kapitalismuskritik übergestreift hat.

Was für die Formen gilt, trifft auch auf das reduzierte Farbspektrum zu, das sicherlich teilweise dem Medium geschuldet sein mag. Der Dreiklang aus Schwarz, Weiß und Magenta weist möglicherweise auf eine Trinität hin anders als es der Name 1010 mit seinem mehrdeutigen Dualismus suggerieren mag. In der Hamburger Innenstadt begegnen wir modernen Mythen, die eine zeitgemäße Neuinterpretation der gegenwärtigen Conditio humana wagen.”

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