Ohne uns! Manifest in der Zeit
Update des DARE Blog Artikel Rückzugsgefechte der Kreativen Klasse: “Die Zeit” druckt in der Ausgabe vom 04.11.2009 das Manifest “Not In Our Name, Marke Hamburg” auf der Startseite des Feuilleton Ressorts.
Update Pressestimmen
“Hamburg nur noch als “Marke”, der wir Aura, Ambiente und Freizeitwert verpassen sollen? Das machen wir nicht mit. Ein Künstler-Manifest gegen die Hamburger Kulturpolitik”
Die Zeit: Lasst den Scheiß! / 04.11.2009
“Dabei hatte in den Jahren seit seiner (Bürgermeister Ole von Beusts, Anm. DARE) Amtsübernahme im Herbst 2001 eine Art politisch-kultureller Friedhofsruhe geherrscht. Viele Künstler und Kreative wanderten nach Berlin ab, die zahlreichen Hamburger Linken und Linksliberalen zogen sich zurück oder verzettelten sich in Kleinstgefechten. Nun aber hat sich, scheinbar aus dem Nichts, eine breite Front gebildet. (…) Die lange Zeit nur in akademischen Zirkeln geübte Kritik an der sogenannten Gentrifizierung, der Aufwertung von Stadtteilen zu Lasten der Armen, hat eine breite Öffentlichkeit erfasst – und das ohne die traditionellen Mittel politischen Handelns, ohne Großdemonstrationen, Medienkampagnen oder unterstützende Parteien. (…) Ginge es nach den Vorstellungen der Hamburger Stadtplaner, würden die Leute wohl nach Wilhelmsburg umgetopft – das Unterschichtsviertel, in dem Studenten und Kreative die Vorhut der Aufwertung übernehmen sollen. Bis in einigen Jahren auch dort die Makler anrücken.”
“Künstler in Hamburg fühlen sich als Lockvogel für Investoren missbraucht. Seit Wochen besetzen sie Häuser und wehren sich gegen Luxussanierungen. Aspekte hat mit Musiker Rocko Schamoni gesprochen.”
Aspekte: Interview mit Rocko Schamoni / ZDF Mediathek / 06.11.2009
“Kultur fördert das Image einer Stadt, so propagiert der US-Ökonom Richard Florida. Im Fall Hamburg aber unterstützt er die Künstler in ihrem Protest gegen ihre Vermarktung durch die Stadtpolitik.”
Aspekte: Interview mit Richard Florida / ZDF Mediathek / 06.11.2009
“Hamburg, was ist in dich gefahren? Wo ist die Contenance geblieben? Wo deine Nüchternheit? Vorbei die bilanzenkühle Zurückhaltung, der Zorn ist in die Stadt gefahren. Mit rund 200 Künstlern fing es an, die besetzten im August ein historisches Altstadtensemble, um es vor dem Abriss zu retten. Dann schlossen sich 150 Architekten und Stadtplaner an und protestierten gegen die geldgesteuerte Planungskultur des Hamburger Senats. Zuletzt kritisierten lautstark 66 Intendanten, Filmemacher, Schriftsteller und Schauspieler die Kunstknauserei der Stadt, die den ohnehin schmalen Kulturetat im nächsten Jahr um zehn Millionen Euro kürzen will. Man könnte glatt meinen, Hamburg habe sich gewandelt: zu einer Hochburg zivilen Ungehorsams. Manche nennen es bereits das Wunder von Hamburg. Denn das Erstaunlichste an den Protesten ist: Sie werden erhört.”
Die Zeit: Das Hamburg-Wunder / von Hanno Rauterberg / 30.11.2009

