DARE – Apocalypse Green
Inhalt
Konsumempfehlungen /// Louise Clara Hess
Ryan McGinley /// Martin Herbert
Der Vorteil der Kunst /// Vera Tollmann
Dirk Meinzer /// Benjamin Fellmann
Alles Lüge /// Isa Maschewski, Olaf Bargheer
Philipp Fürhoff /// Alexander Meier-Dörzenbach
Fashion and Sustain Ability /// Mathilda Tham
Verena Issel /// Isabela Dabrowska-Diemert
Das Regieme Lemke /// Frank Steinhofer
Die Wolfs /// Veit Loers
Thomás Saraceno /// Katrin Diederichs
Pflücke den Tag /// Laura Boog
Martha Rosler /// Nicole Büsing & Heiko Klaas
Archäologen der Mode (Margiela) /// Frank Steinhofer
Kunst, Literatur & Überdies /// Nicole Büsing & Heiko Klaas, Matthias Zintler
KWMM /// Yvonne Schmedemann
Editorial
Nach einer Zeit des Moratoriums widmet sich diese Ausgabe von DARE einem Thema, das allgegenwärtig, aber selten hinterfragt scheint: “Apocalypse Green”. Und so folgen auch wir zunächst dem zeitgenössischen Gestus, der gesellschaftliche Lügen mit cleanen und puristischen – bei uns auch noch neongrünen – Oberflächen zu kaschieren sucht. Mehr über diesen Zusammenhang findet sich im Gespräch mit Ina Grätz (Kuratorin Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg) und Friedrich von Borries (Architekt und Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis HFBK Hamburg).
Ein „Grüner Imperativ“ ist heute gesellschaftlicher Konsens in Politik, Wirtschaft und Kultur – aber taugt er als Handlungsanweisung? Der Klimagipfel “Cop15″ liegt schon knapp zwei Jahre hinter uns. Medial aufgemacht als internationaler Showdown über die Rettung des Globus wirkt er bis heute nach mit dem anhaltenden Gefühl des Ausgeliefertseins, das ein diffuses Scheitern hinterlässt. Der Künstler Tomas Saraceno war nach seinem Durchbruch auf der Biennale in Venedig in Kopenhagen seinerzeit im Rahmen einer groß aufgemachten Ausstellung zu Klima und Kunst im Statens Museum vertreten, die seine Installation mit beachtlichem symbolischen Gehalt auflud. Mit seinen Installationen (unter anderem aus durchsichtigen Biosphären) ist er danach umso mehr einer derjenigen geworden, die heute einem Gefühl offensichtlicher Handlungsnotwendigkeit bei gleichzeitig zunehmender Unübersichtlichkeit und Fragmentierung der Baustellen treffend Ausdruck verleiht.
Auch in der anhaltenden globalen Wirtschaftskrise ist ein Gefühl nach wie vor bestimmend: Untergang ist Lifestyle. Wir treiben bewussten Raubbau an Umwelt, Gesellschaft, Zukunft und Ressourcen – und unser Konsum und Lifestyle richtet sich dementsprechend zunehmend aus auf Produkte und Formate, die trotz Massenproduktion Nachhaltigkeit versprechen.
Wir sind unserem Wissen ausgeliefert, ändern unser Verhalten aber nicht substanziell. Stattdessen wechseln wir lediglich die Stoßrichtungen unserer falschen Handlungen. Künstlerische und kreative Tätigkeit hat stets auch eine kritische, bisweilen korrektive Funktion im Umgang mit Themen gesellschaftlicher Relevanz. Diese DARE Ausgabe geht daher in einer Zeit, da alles gesagt scheint und Überzeugungsarbeit nicht mehr das dringendste Anliegen ist, der Frage nach, wie Künstler und Kreativwirtschaft auf diesen „Grünen Imperativ“ reagieren.
Nicht erst seit Fukushima wissen wir, dass die Spaltung von Atomen nicht nur Energie freisetzt, sondern herrlich glühende, aber leider schädliche Stäbe produziert, die sich weder ordentlich verbuddeln, noch gewissenhaft in den Weltraum schießen lassen. Obwohl zusammenhangslos, kaufen wir auch aus solchen Gründen schon seit längerer Zeit nicht den herkömmlichen Kaffee, sondern greifen voller Überzeugung zu der fair gehandelten Bio-Version, die erstaunlicherweise auch viel besser aussieht und mit dem der Latte Macchiato nicht nur umweltfreundlich, sondern moralisch integer schmeckt – wie gut das schmeckt, dieses „Grüne Denken“.
Doch uns fällt auf, während wir Bio-Kaffee-rührend mit Gleichgesinnten über Energiesparlampen und AAA+ Kühlschränke diskutieren, dass Ideen – und seien sie noch so gut – mitunter als Prostituierte enden. „Grünes Denken“ wurde in den letzen Jahren zu einer vom (falschen?) System umarmten Lifestyle-Bewegung – konsumorientiert und von klugen Markenstrategen und Produktentwicklern stetig weiter befeuert.
Ist das überhaupt schlecht? Kann man darin nicht auch Chancen sehen? Diesen Fragen gehen wir in dieser Ausgabe von DARE nach – und lassen dem grellen, minimalistischen Titel die unterschiedlichsten Auseinandersetzungen mit dem Thema „Apocalyse Green“ folgen.
Ihre Redaktion
Isa Maschewski, Olaf Bargheer, Benjamin Fellmann, Frank Steinhofer






