DARE – Multitasking Overflow
Inhalt
MALTE URBSCHAT / Text: Leonard Bessemer
DEUTSCHE UND JAPANER / Daniel Josefsohn & Sebastian Mayer
FELIX KIESSLING / Interview: Katrin Diederichs
LEANDER SCHOLZ / Das Gehirn ohne Fleisch / Illustration: Solveig Buck
GERWALD ROCKENSCHAUB / Text: Sabine Maria Schmidt
HUGO VON HOFMANNSTHAL / Brief des Lord Chandos an Francis Bacon
DER MANN DER VOM HIMMEL FIEL / Daniel Josefsohn
WARREN NEIDICH / Text: Nicole Büsing & Heiko Klaas
DER RAUSCH AUS DEM NETZ
Interview mit Bernd Flessner: Marc-Oliver Rehrmann
JEANNE SUSPLUGAS / Text: Kathy Alliou
DER PANIC ROOM DER BESCHLEUNIGTEN
KOMMUNIKATIONSGESELLSCHAFT
Olaf Bargheer / Illustration: Andreas Hohmann
TH. BALDISCHWYLER & THOMAS JEPPE
Gespräch: Michael Löffelholz & Ulrich Schötker / Editierung: Isa Maschewski
APERCEPTION / Harald Nicolas Stazol
DARE BUCHEMPFEHLUNGEN / Nicole Büsing & Heiko Klaas
DARE EDITIONEN / Stefan Panhans, Philip Gaisser
Editorial
Überaus herzlich begrüßen wir Sie in der fünften Ausgabe des DARE Magazins. Als „Phantom Vibration Syndrome“ verstehen die Kognitionswissenschaften den Irrglauben, ein nicht vorhandenes, mobiles Kommunikationsendgerät vibriere in der Hosentasche. Obwohl nur ein belächeltes Nebenprodukt, wurde es zum Quasi-Symbol für unsere beständige Alarmbereitschaft, resultierend aus der Notwendigkeit immer erreichbar zu sein.
„Wir leben in einer Welt“, wusste Johannes Rau schon in seiner Antrittsrede als Bundespräsident 1999 zu sagen, „in der wir von allem den Preis, aber nur von wenigem den Wert kennen.“ Die Masse der uns in der besagten Hosentasche zur Verfügung stehenden, zersplitterten Information ist enorm – aus all dem so etwas wie eine konsistente Weltsicht abzuleiten scheint heute unmöglicher denn je. Und ist es nicht sogar einfacher denn je – und zunehmend verbreiteter – sich selbst der Welt mitzuteilen, als sich um eine Sicht auf selbige zu bemühen? Kolportage vermag über Interpretationsunsicherheit hinwegzuhelfen. Multitasking Overflow – und irgendwie alles zuviel.
Der Beitrag zum Regietheater sowie das Feature über Thomas Baldischwyler und Thomas Jeppe verlassen in diesem Sinne die klassischen publizistischen Formate. Verzicht auf singuläre Autorenschaft, fragmentarische Textarchitektur und selbstverständliches Switchen zwischen den Sprachen rücken die Texte in die „Digital Residency“. Dass sprachliche Verwirrung schon analog 1.0 daherkam, zeigt Hugo von Hofmannsthals Brief des Lord Chandos an Francis Bacon. Weitere Beiträge in DARE #5 thematisieren die menschliche Wahrnehmung und neuronale Prozesse, vielleicht auch, weil wir uns von deren Verständnis ein noch viel weitreichenderes erhoffen.
Mit nichts weiter ausgestattet als dem Magazinthema zog der Fotograf Daniel Josefsohn aus, um in einer darauf gemünzten Fotostrecke seine Modelle Loretta und ihren Begleiter aus jeglicher Vernetzung zu befreien. Herausgekommen ist eine hochplakative Serie, die klar Josefsohns künstlerische Handschrift trägt: „self-sexploiting portraits“ der Einzelnen, die im Nachgang ihre Einbettung ins soziale Dispositiv gesellschaftlicher Anknüpfungen offenbaren.
Das Cover zu dieser Ausgabe verdanken wir dem österreichischen Künstler Gerwald Rockenschaub, der trotz zahlreicher Verpflichtungen während der internationalen herbstlichen Kunstmessen die nötige Zeit zur Gestaltung fand. Die seinen Arbeiten originäre Dualität von einfacher Formgebung und assoziativer Struktur pointiert Multitasking Overflow.
DARE #5: Ein Beitrag zu Medienkompetenz und Informationslogistik.
Ihre Redaktion
Isa Maschewski, Olaf Bargheer, Benjamin Fellmann, Frank Steinhofer






