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	<title>DARE &#187; Dirck Möllmann</title>
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	<description>Magazin für Kunst und überdies</description>
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		<title>Relax it&#8217;s only video &#8211; Review Stile der Stadt Videopanel 2008</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Feb 2009 08:45:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Olaf Bargheer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Clemens-Schultz-Strasse]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[	<p>Vor einem Jahr, im Januar 2008 öffneten Filomeno Fusco und Dirck Möllmann die eiskalten Lagerräume der Clemens-Schultz-Strasse, mitten auf St. Pauli, und landeten mit der Adresse des neuen Ausstellungsraumes einen Coup. 300 qm auf dem Kiez sind für Kunst nicht leicht zu beschaffen. Die erste Ausstellung war das &#8216;Stile der Stadt&#8217; Videopanel. Elf Videoarbeiten konnten sich raumgreifend in den teils gekachelten, teils roh verputzten Hallen des ehemaligen Getränkelagers austoben. Im Augenblick versieht der dänische Besitzer des Gebäudes das Lager mit Schallschutzdämmung: Besucher können 2009 darauf hoffen, bei Ausstellungen in der Clemens-Schultz-Strasse nicht mehr frieren zu müssen &#8211; und sich in Punkto Musik nach 22 Uhr weniger dezent verhalten zu müssen.</p>
	<p><img class="alignnone size-full wp-image-386" title="sds1" src="http://blog.daremag.de/wp-content/uploads/2009/02/sds1.jpg" alt="sds1" width="500" height="333" /></p>
	<p><span id="more-381"></span><strong>Abildung</strong> Amie Siegels &#8216;Berlin Remake&#8217; gewann 2008 mit grossem Vorsprung den Publikumspreis.</p>
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	<p><strong>Video</strong> Stefan Panhans &#8216;Sieben bis Zehn Millionen&#8217; Preisträger &#8216;Stile der Stadt&#8217; 2007.</p>
	<p>Ein Jahr später sehen sich die beiden Kuratoren des Videopanels in &#8211; vielleicht ein wenig unerwartet &#8211; öffentlichkeitswirksame Zusammenhänge gerückt: Dirck Möllmann kuratierte gemeinsam mit Frank Barth die viel beachtete Ausstellung &#8216;MAN SON 1969&#8242; an der Hamburger Kunsthalle. Filomeno Fusco machte im Dezember von sich reden, als er die Hausfassade der Clemens-Schulz-Strasse mit einer Bretterwand verkleidete, über der ein marmornes Versace-Label prangte. Selbst gut vernetzten Pauli-Bewohnern ging der ironische, konsumkritische Gehalt der Installation nicht sofort auf: reichhaltige Edding-Schmierereien auf der Holzverschalung zeugen von der offenen Ablehnung des Flagship-Stores. Passend zu seinem Geburtstag Anfang Januar 2009 erreichte Filomeno Fusco die Nachricht, dass er das diesjährige Hamburg Stipendium für bildende Kunst erhalten würde. Eine späte Ehrung als Künstler, immerhin wurde Fusco in den letzten jahren eher als Kurator, Ausstellungsmacher und künstlerischer Leiter der Arthur-Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt wahrgenommen.</p>
	<p>Das folgende Gespräch mit Filomeno Fusco und Dirck Möllmann entstand im Dezember 2007 im Laufe der Urbarmachung der Räume in der Clemens-Schultz-Strasse.</p>
	<p><img class="alignnone size-full wp-image-387" title="sds4" src="http://blog.daremag.de/wp-content/uploads/2009/02/sds4.jpg" alt="sds4" width="500" height="333" /></p>
	<p><a href="http://blog.daremag.de/wp-content/uploads/2009/02/versace_store_clemens_schulz_strasse_stpauli.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-579" title="versace_store_clemens_schulz_strasse_stpauli" src="http://blog.daremag.de/wp-content/uploads/2009/02/versace_store_clemens_schulz_strasse_stpauli.jpg" alt="versace_store_clemens_schulz_strasse_stpauli" width="500" height="333" /></a></p>
	<p><strong>Abbildungen</strong> Filomeno Fusco und Olaf Bargheer, Arthur-Boskamp-Stiftung Hohenlockstedt; Installation Versace Store Clemens-Schulz-Strasse St. Pauli, vor dem Tagging</p>
	<p><strong>Fusco</strong> Unsere Zusammenarbeit bei ‘Stile der Stadt’ ergab sich durch das Konzept Feld für Kunst in der Grossen Bergstrasse. Das Projekt war 2006 von der Kulturbehörde zunächst mit 10.000, später mit 60.000 Euro gefördert. Durch die Aufstockung habe ich Dirck ins Spiel gebracht und mit ihm zusammen das Konzept noch einmal umgearbeitet. Wir wollten passend zum Ort eine Ausstellung zu Kunst und Konsumarchitektur mit zuerst 10 Videokünstlern machen. Nach der Entscheidung, die Ausstellung auszuweiten, hatten wir schliesslich 16 Künstler mit einem starken Fokus auf das Medium Video.</p>
	<p><strong>Möllmann</strong> Videokunst ist immer noch eine kleine Sparte, ist aber seid 10 oder 15 Jahren im Museum akzeptiert. Die technischen Möglichkeiten haben sich in den letzten Jahren erheblich erweitert, das macht Video als intermediales Medium hochinteressant. Video vermittelt zwischen Film und Digitalem. Alles drei lässt sich mittlerweile natürlich in der Digitalisierung reproduzieren. Eine typische, videoeigene Form ist der Close Circuit. Man kennt das von Überwachungskameras. Wir haben einen direkten Bildkreislauf zwischen Kamera und Monitor, das Bild entsteht synchron. Nun ist es so, dass diese Form mittlerweile jeder kennt, wir haben bei Stile der Stadt deshalb schon keine Close Circuit Arbeiten mehr im Programm.</p>
	<p><img class="alignnone size-full wp-image-388" title="sds2" src="http://blog.daremag.de/wp-content/uploads/2009/02/sds2.jpg" alt="sds2" width="500" height="333" /></p>
	<p><strong>Abbildung</strong> Karina Nimmerfall &#8216;Executive Office&#8217;</p>
	<p><strong>Möllmann</strong> Video zeichnet sich erstmal aus durch ein instabiles Bild. Das heisst, das Bild flimmert. Dieses optische Flimmern wird versucht durch 100 Hertz Technik gering zu bleiben. Beim digitalen oder analogen Film läuft der Bildaufbau ganz anders. Ein 16 oder 35 mm Film besteht aus einzelnen feststehenden Bildern, Beim digitalen Film wird jeder Pixel manipuliert und beständig prozessiert. Das instabile Bild beim Video entsteht durch die Magnetband-Aufzeichnung. Der Bildschirmbild wird in linearen Zeilen nach und nach aufgebaut.</p>
	<p><strong>Fusco</strong> Es ist ein bisschen verwirrend: in der Kunst läuft alles drei unter Begriff Videokunst. Videokunst ist so gesehen anders als Video. Die Frage ist, kann man aus den Videoarbeiten gute Programme schneidern. In der Ausstellung werfen wir also Formfragen auf: Was macht Unterschied, wo liegen Gemeinsamkeiten zwischen Film, Video und Computerkunst? Wie beeinflussen sie sich? Und vor allem: Warum ist das Kunst?</p>
	<p><strong>Fusco</strong> Technologisch gesehen haben wir derzeit eine ‘nicht mehr, aber noch nicht’ Situation, in der die drei Medien Film, Video, Digital parallel genutzt werden. Die Parallelität jedenfalls ist fliessend. Es gibt Videokünstler, die seit ein paar Jahren wieder mit 16 mm oder 35 mm arbeiten. Vor 5 Jahren hat man gesagt, die Zukunft ist digital. Jetzt ist es wieder so, dass eine Ästhetik gesucht wird, die auf digitalem Weg gar nicht erzielt werden kann. Entscheidend für jeden Videokünstler ist wohl die Frage: Was möchte man vermitteln, welche Ästhetik möchte man haben.</p>
	<p><img class="alignnone size-full wp-image-389" title="sds3" src="http://blog.daremag.de/wp-content/uploads/2009/02/sds3.jpg" alt="sds3" width="500" height="333" /></p>
	<p><strong>Abbildung</strong> Ausstellungseröffnung &#8216;Stile der Stadt Videopanel 2008&#8242;</p>
	<p><strong>Möllmann</strong> Zelluloid schafft immer noch diese Tiefe des Raumes. Digitale Bilder wirken dagegen immer flach, beinah zweidimensional. Wir sind da aber gerade an einem Übergang. Digi-Beta Aufnahmen können mittlerweile in der Post-Production so bearbeitet werden, dass Tiefe und Farbtemperaturen wie 35 mm Zelluloid wirken. Schliesslich ist es aber alles eine Stilfrage, wie beim DJing: die Vinyl stirbt auch nicht aus, einen Hang zur Nostalgie findet man immer.</p>
	<p><strong>Fusco</strong> Du findest draussen Leute, die fragen, wo liegt denn nun der Unterschied zwischen Videokunst und einem Kurzfilm? Letztendlich, sage ich dann, hängt es lediglich an der Art der Rezeption, an der Präsentationsform. Der Raum, in dem der Film gezeigt wird, ist ein anderer. Ein Kurzfilmfestival findet im Kinosaal statt. Ein Videokunstpanel in einer Galerie. Es gibt ganz klar Kurzfilme, die funktionieren als Videokunst, sie werden aber nicht in diesem Kontext gezeigt. Andererseits kannst du Videokunst nicht auf die Kinoleinwand übertragen, du erreichst einfach die Atmosphäre von Kinofilmen nicht. Und dann gibt es noch einen Unterschied: Wir haben vor einigen Jahren mit dem Kurzfilmfestival zusammen gearbeitet. Die hatten ein komplett anderes Publikum.</p>
	<p><strong>Möllmann</strong> Video ist Kunst, wenn es im Kunstfeld gezeigt wird. Letzten Endes eine rein formale Frage, eine nach den Produktionsbedingungen. Viele Filmer äussern sich als Künstler, umgekehrt hast du Videokünstler, die immer auch kommerziell arbeiten. Eva Könnemann produziert sehr gefragte Dokumentarfilme, aber eigentlich ist sie Videokünstlerin, mit einer Nähe zum Theater. Drei Standbeine, auf denen sie steht. Auf der anderen Seite hast du einen klassischen Autoren- und Dokumentarfilmer wie Harun Farocki, der seit der documenta im Kunstkontext gezeigt wird. Ähnliche Beispiele liefern die Videoclips von Michel Gaundry oder natürlich Chris Cunningham. Aus der Club-Kultur kommen viele VJs in die Kunst, die bringen ihre Visuals als Editionen.</p>
	<p><img class="alignnone size-full wp-image-390" title="sds5" src="http://blog.daremag.de/wp-content/uploads/2009/02/sds5.jpg" alt="sds5" width="500" height="333" /></p>
	<p><strong>Abbildung</strong> Stefan Panhans &#8216;Sieben bis Zehn Millionen&#8217; Stipendiatenausstellung der Artur-Boskamp-Stiftung Hohenlockstedt</p>
	<p><strong>Möllmann</strong> Am Theater findet man oft eine interessantere Spielstätte als in der Kunst. Gleichzeitig kommt es in den meisten, schlechten Fällen bloss zu einer Adaption von der Kunst auf die Bühne: Dann siehst du in einer Inszenierung ein paar Screens auf der Bühne, die irgendeine Mediensituation noch einmal verschärft nachstellen, aber vollkommen wahllos wirken. Sinnvoll wird der Einsatz von Video, wenn die Haugrenzen aufgelöst werden. Stromberg hat das am Schauspielhaus beispielhaft gemacht. Die sind mit dem Video raus auf die Strasse gegangen. Ein Feld, das entschieden mehr Charme besitzt, als der hermetische Kunstbetrieb mit seinen oft marktgerechten Etiketten. Ich war vor einiger Zeit auf Kampnagel bei einem Stück einer englischen Theatergruppe. Die haben vor der Aufführung mit live-Handkameras in Barmbeck improvisiert, kamen schliesslich von ihren verschiedenen Routen zurück auf die Bühne, zur eigentlichen Aufführung. Das ist medientechnisch cleveres Performance-Theater, das das Leben in der Stadt aufgreift &#8211; um es dann am Haus, auf der Bühne zu zeigen. Mit Webcam und 4-Kanal-Installation.</p>
	<p><strong>Fusco</strong> Beim Videopanel zeigen wir 2008 elf Künstler mit ganz unterschiedlichen Materialien und Klang-Situationen. Mehrkanal-Arbeiten, Screenings im Second Life und Stummfilme stellen hochkomplizierte Anforderungen an uns. Wir meinen aber, mit den neuen grossen Ausstellungsflächen in einem ehemaligen grossen Weinkontor den Ansprüchen gerecht werden zu können. Die immer ein wenig hallenden Räume müssen entsprechend vorbereitet werden, die Arbeiten mit Molton, Filz und Bauten akustisch voneinander abgeschirmt werden. Das Videopanel steht vor technischen Fragestellungen, die nicht einmal in der Kunsthalle immer zufrieden stellend gelöst werden. Was wir mit den elf unterschiedlichen Positionen und dem Raum zeigen wollen, ist eine mögliche neue Präsentationsform jenseits des klassischen Black Cube. Die abgedunkelten, stickigen Boxen sind oft nicht die angemessene Szenerie für die gezeigten Filminstallationen. Wir finden uns mit dieser Herangehensweise in einer Entwicklung der letzten Jahre wieder: Die Ausstellungsarchitektur selber wird immer mehr ein grosses Thema der Ausstellungen. Wir wollen mit dem Videopanel auf alle diese Fragen nicht unbedingt Antworten geben. Die Besucher haben viel Raum und Möglichkeit, sich selber ein Bild zu machen. Unser Ausstellungsraum ist selbst nach der Eröffnung noch in einer Übergangsphase. Wir planen keinen Studiobau, keinen White Cube. Die Clemens-Schultz-Strasse bleibt ein offener, temporär anmutender Rohbau.</p>
	<p><img class="alignnone size-full wp-image-391" title="sds6" src="http://blog.daremag.de/wp-content/uploads/2009/02/sds6.jpg" alt="sds6" width="500" height="333" /></p>
	<p><span style="color: #ffffff;">&#8212;</span></p>
	<p><span style="color: #ffffff;">&#8212;</span>
</p>
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